DFG-Forschergruppe
Kurzpräsentation

Die Aufklärung im Bezugsfeld neuzeitlicher Esoterik

Das 18. Jahrhundert gilt nicht nur als das Zeitalter der Vernunft, sondern auch als eine Epoche, in der Sinnlichkeit und Affekt, Phantasie und Spiritualität in verschiedenster Hinsicht maßgeblich wurden. In der Aufklärungsforschung hat man diese zum Teil gegenläufigen Tendenzen meist als innere Widersprüche der Zeit aufgebaut und in dualistischen Entgegensetzungen wie dem Begriffspaar der 'Aufklärung' und 'Gegenaufklärung' beschrieben. In der gegenwärtigen wissenschaftlichen Diskussion zum 18. Jahrhundert hingegen haben integrative Zugänge zum "Anderen der Vernunft" und zum "Dunklen in der Aufklärung" einen immer höheren Stellenwert. Doch obwohl auf die lange Zeit üblichen Polarisierungen nun vielfach verzichtet wird, ist bisher nicht geklärt, wie der Begriff des Anderen der Vernunft aus seiner zeitgenössischen Unschärfe herausgeführt und für die wissenschaftliche Analyse aufbereitet werden könnte. Zur Überwindung dieses Defizits möchten wir als Forschergruppe durch eine Verbindung von Aufklärungs- und Esoterikforschung beitragen [zum methodischen Ansatz der Forschergruppe]. 'Esoterik' steht dabei für ein Spektrum abendländischer Glaubens- und Wissenstraditionen, die in das 18. Jahrhundert hineinreichen und dort in unterschiedlichster Weise aufgenommen, kritisiert und modifiziert wurden. Ein wichtiges Ergebnis dieser Konfrontation ist beispielsweise die "aufgeklärte" oder "vernünftige Esoterik", deren Vertreter sich ebenso dem zeitgenössischen Vernunftdenken zurechnen wie sie sich esoterischer Topoi bedienen. Ziel der Gruppenarbeit ist es, ein umfassendes Konzept historischer Einordnung für die "esoterischen" Seiten der Aufklärung zu entwickeln und das, was zuvor aus dem Aufklärungsprozess ausgegrenzt wurde, in ein innovatives Gesamtverständnis der Epoche einzufügen. Die Einzelprojekte sind an diesem Ziel ausgerichtet und befassen sich mit dem für Halle spezifischen Verhältnis von Esoterik, Pietismus und Frühaufklärung, mit der Esoterik im Wolffianismus, mit Emanuel Swedenborgs Stellung innerhalb der aufklärerischen und esoterischen Diskurse des 18. Jahrhunderts, mit Johann Georg Hamanns Ästhetik im Bezugsfeld von Aufklärung, Christentum und Esoterik und schließlich – wiederum ganz auf den Standort Halle bezogen – mit dem "Vernünftigen Christentum" im Spannungsfeld esoterisch-masonischer Entwicklung.